Zwischen Erinnerungen und Belastung – Ein entspannter Umgang mit Kinderkunst
Kinderkunst ist bunt, lebendig und voller Erinnerungen. Gleichzeitig bringt sie im Alltag oft mehr Unordnung und Entscheidungen mit sich, als uns lieb ist. Dieser Artikel teilt Gedanken, Erfahrungen und Möglichkeiten, wie Kinderkunst wertgeschätzt werden kann, ohne zur Belastung zu werden.
Es gibt Dinge im Familienalltag, die machen einfach glücklich- Kinderkunst zum Beispiel.
Diese krakeligen Strichmännchen, die ersten Buchstaben, die wilden Farbexplosionen – sie erzählen Geschichten, machen Entwicklung sichtbar und lassen uns stolz lächeln.
Und auf einmal sind sie überall. Auf dem Küchentisch. Der Fensterbank. Unter dem Tisch. In Taschen, Mappen, Schubladen.
Manchmal mit Hingabe gestaltete Meisterstücke, manchmal schnell gekritzelte „Geschenke“.
Aber jedes bringt Entscheidungen mit sich: Ausstellen, aufheben, entsorgen? Darf man das überhaupt wegwerfen?
Warum Kinderkunst innerlich so belasten kann
Was den Umgang mit Kinderkunst oft so anstrengend macht, sind weniger die Bilder selbst – sondern das, was sie in uns auslösen.
Viele Mütter stehen heute unter dem Anspruch, ihre Kinder möglichst bewusst zu begleiten. Wir möchten sie fördern, sie ernst nehmen, ihre Gefühle sehen, ihre Entwicklung unterstützen. Kinder sollen sich wertgeschätzt fühlen, kreativ sein dürfen, sich ausdrücken können. Gleichzeitig begegnen uns überall andere Stimmen: zu viel Lob sei problematisch, zu viel Aufmerksamkeit mache abhängig, zu viel Schutz verweichliche. Egal, wie wir es machen – irgendwo scheint es immer „nicht ganz richtig“ zu sein.
Kinderkunst wird so schnell zu einer Projektionsfläche für all diese widersprüchlichen Erwartungen.
Hebe ich zu viel auf? Dann klammere ich vielleicht.
Hebe ich zu wenig auf? Dann würdige ich womöglich nicht genug.
Lasse ich mein Bedürfnis nach Ordnung zu? Oder stelle ich mich damit über mein Kind?
Dazu kommen ganz praktische Aspekte: Wir haben eigene Bedürfnisse nach Ruhe, Übersicht und einem Zuhause, das uns gut tut. Und wir haben einen Alltag, der oft wenig Raum lässt für lange Abwägungen. Entscheidungen müssen schnell gehen – und genau das kostet Kraft.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl, innerlich müde zu sein von all den kleinen Entscheidungen, die sich Tag für Tag ansammeln. Kinderkunst ist dann nur eine von vielen Situationen, in denen diese Entscheidungsmüdigkeit spürbar wird. Es ist nicht das Thema an sich, das belastet, sondern die Vielzahl an Entscheidungen, die im Alltag ohnehin schon getroffen werden müssen.
Und genau deshalb braucht es hier keinen perfekten Umgang, sondern einen, der dich entlastet.
Bewahren mit Maß – ein alltagstauglicher Weg
Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich für mich einen gleichbleibenden Ablauf, feste Orte und Begrenzungen brauche.
Nicht, weil Kinderkunst wertlos ist, sondern um mir selbst die ständige Entscheidung abzunehmen.
Bei uns gibt es für die kreativen Werke, die uns Eltern geschenkt werden, eine einfache Sammelkiste.
Darin landen erst einmal alle Zeichnungen, Basteleien und Gebilde meiner Tochter – ganz ohne Vorsortieren, ganz ohne Druck. Die Kiste ist so etwas wie ein Zwischenraum: Alles darf da sein, nichts muss sofort entschieden werden.
Wenn diese Kiste voll ist, nehme ich mir bewusst Zeit, schaue genauer hin und wähle aus. Nicht nach Schönheit oder Perfektion, sondern nach Bedeutung: Bilder, bei denen sie sich besonders viel Mühe gegeben hat. Werke, die einen Entwicklungsschritt zeigen, das Beste aus einem neuen Lieblingsthema, eine neue Fähigkeit. Manchmal sind es ganz unscheinbare Zeichnungen – und manchmal genau die, an denen besonders viel Herz hängt.
So wandern nur ausgewählte Bilder in die Sammelmappen.
Der Rest darf gehen. Nicht, weil er unwichtig war, sondern weil sein Zweck bereits erfüllt ist. Und weil der Platz – ganz bewusst – begrenzt bleibt.
Was meine Tochter selbst behält, bleibt in ihrem Zimmer und wird nach dem gleichen Prinzip gehandhabt. Sie hat dafür eine Schublade im Schreibtisch reserviert und auch die wird ausgeleert, sobald sie voll ist.
Diese Begrenzung empfinde ich heute als große Entlastung.
Sie sorgt dafür, dass es überschaubar bleibt. Für den Raum. Und für den Kopf. Ich muss nicht jedes einzelne Bild neu bewerten, sondern bewege mich innerhalb eines Rahmens, der für uns passt.
Digitalisierung?
Ein weiterer Baustein in unserem Umgang mit Kinderkunst ist die Digitalisierung der ausgewählten Werke.
Nicht, um sie „loszuwerden“, sondern um sie zu schützen und zugänglich zu halten.
Das ist natürlich nur eine Möglichkeit, kein Anspruch. Für manche Familien fühlt sich das stimmig an, für andere nicht. Beides ist vollkommen in Ordnung.
Für uns ist die Digitalisierung aus mehreren Gründen sinnvoll. Zum einen schützt sie die Bilder vor Verlust, etwa durch Wasser, Feuer oder andere Schäden.
Zum anderen bleiben sie so auch mir erhalten, selbst dann, wenn meine Kinder ihre Originale irgendwann mitnehmen möchten.
Und ich habe gemerkt: Digitale Erinnerungen schauen wir uns tatsächlich an. Sie gehen nicht in Kisten unter, sondern sind präsent – so finden sie z.B. Einzug in den Erinnerungsfilmen, die meine Kinder zu ihrem 18. Geburtstag von mir bekommen.
Sichtbar machen statt stapeln – verschiedene Möglichkeiten
Neben dem Aufbewahren spielt für viele Familien auch die Frage eine Rolle:
Wie können Kinderkunstwerke Wertschätzung und Aufmerksamkeit bekommen, ohne dass sie sich im ganzen Zuhause verteilen oder zu viel Raum einnehmen?
Eine Möglichkeit sind spezielle Bilderrahmen, die sich aufklappen lassen und in denen Zeichnungen schnell ausgetauscht werden können. Sie machen es leicht, einzelne Werke zu präsentieren – und ebenso leicht, sie wieder abzunehmen. Bei uns kann meine Tochter das inzwischen selbst, was ihr zusätzlich das Gefühl gibt, mitentscheiden zu dürfen.
Aber auch hier gilt: Es gibt nicht die eine richtige Lösung.
Manche mögen es schlichter, andere kreativer, manche günstiger, manche flexibler.
Alternativen können zum Beispiel Bilderleisten sein, auf denen ausgewählte Werke für eine Zeit stehen dürfen. Oder ganz einfache Markierungen an der Wand – kleine Klebepunkte oder Rahmen aus Washi-Tape –, die klar begrenzen, wo Kinderkunst Platz haben darf und wo nicht.
Solche festen Orte schaffen Orientierung: für die Kinder genauso wie für uns Erwachsene. Sie machen sichtbar, was gerade wichtig ist – und erlauben gleichzeitig, dass sich etwas verändern darf.
Wenn du gerne nach weiteren Ideen schaust, lohnt es sich, sich inspirieren zu lassen, zum Beispiel auf Pinterest. Dort finden sich ganz unterschiedliche Ansätze, passend für verschiedene Wohnstile, Budgets und Bedürfnisse. Ich habe dort eine kleine Auswahl zusammengestellt.
Gedanken, die mich entlasten
Mir hat es geholfen, mir bewusst zu machen, was Kinderkunst eigentlich ist – und wer, wann zuständig ist.
Manche Bilder gehören meinem Kind. Dann darf es auch entscheiden, was damit passiert. Diese Werke bleiben im Kinderzimmer, und wir haben gemeinsam Regeln gefunden, wie viel Platz sie dort einnehmen dürfen.
Andere Bilder sind Geschenke an mich. Und als solche darf ich auch entscheiden, wie ich damit umgehe. Ob ich sie aufbewahre, präsentiere, digitalisiere oder loslasse. Diese Klarheit hat mir innerlich viel Druck genommen.
Ein weiterer Gedanke, der für mich entlastend war:
Bei Kinderkunst geht es oft weniger um das fertige Ergebnis als um den Prozess dahinter. Um das Tun, das Ausprobieren, das Lernen, das Verarbeiten von Erlebtem. Das Bild erfüllt dabei seinen Zweck, danach kann es gehen oder darf bleiben – für kurze Zeit oder für immer.
Und natürlich dürfen Basteleien und Zeichnungen entsorgt werden. Sonst würden manche Familien in Papier ertrinken.
Kunst ist bunt
Es gibt keinen perfekten Umgang mit Kinderkunst.
Nur Wege, die sich für eine Zeit stimmig anfühlen – und sich mit den Kindern, dem Alltag und den eigenen Bedürfnissen immer wieder verändern dürfen.
Manchmal braucht es dafür nur einen neuen Blickwinkel.
Und manchmal hilft es, nicht allein entscheiden zu müssen.
Wenn du spürst, dass dich Ordnungsthemen im Alltag viel Kraft kosten – und du dir wünschst, wieder mehr Ruhe und Klarheit zu gewinnen – lade ich dich ein, dich auf meiner Website umzusehen oder ein unverbindliches Erstgespräch zu buchen.
Manchmal beginnt Entlastung damit, nicht alles alleine lösen zu müssen.
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