Besitz als Belohnung
Der Besitztumseffekt beruht auf verschiedenen neuropsychologischen Mechanismen, die in unserem Gehirn ablaufen. Eine Studie aus dem Jahr 2009 zeigte beispielsweise, dass sich die Aktivität im Nucleus accumbens, einem Teil des Belohnungssystems im Gehirn, erhöht, wenn Menschen Bilder von Dingen sehen, die ihnen gehören. Das bedeutet, dass wir uns tatsächlich belohnt fühlen, wenn wir Dinge besitzen, und dass dieser Effekt durch das Gehirn verstärkt wird.
Hirnforscher konnten nachweisen, dass es sogar zu regelrechten Schmerzen führen kann, etwas zu verlieren oder loslassen zu müssen. Deswegen suchen wir oft nach Argumenten, die Dinge weiter zu behalten. Typische Argumente sind „Das war teuer“ oder „das kann man sicher noch mal brauchen“. Der materielle Wert der Dinge wird dabei oftmals überschätzt. Verstärkt wird der Effekt noch durch eine emotionale, sentimentale Aufladung.
Die Folgen eines ausgeprägten Besitztumseffekts
Ein stark ausgeprägter Besitztumseffekt kann unser Leben belasten und uns daran hindern, uns von unnötigem Ballast zu befreien. Die Folgen können vielfältig sein: Es kann dazu führen, dass wir uns in unseren eigenen vier Wänden eingeengt und überfordert fühlen, dass wir uns ständig mit Aufräumen und Sortieren beschäftigen müssen, oder dass wir uns so sehr auf unsere Dinge konzentrieren, dass wir andere Aspekte unseres Lebens vernachlässigen.
Wege zur Überwindung des Besitztumseffekts
Aber wie können wir diesen Effekt überwinden und uns von unnötigem Ballast befreien?
- Machen Sie sich klar, dass Sie nichts falsch gemacht haben.
- Machen Sie eine Bestandsaufnahme: Gehen Sie durch Ihre Wohnung und betrachten Sie jedes Stück bewusst. Überlegen Sie, ob es Ihnen wirklich Freude bereitet oder ob Sie nur aus Gewohnheit oder Angst vor Verlust daran festhalten. Wenn Sie merken, dass Sie nur aus diesen Gründen an etwas festhalten, können Sie es getrost aussortieren.
- Verabschieden Sie sich bewusst: Wenn Sie sich von einem Stück trennen und es Ihnen sehr schwerfällt, können Sie versuchen, sich bewusst zu verabschieden. Stellen Sie sich vor, dass das Stück in gute Hände kommt und dort weiterlebt. So fällt es Ihnen vielleicht leichter, loszulassen.
- Suchen Sie sich von den emotionalen Stücken nur einige wenige heraus, denen Sie einen besonderen Platz zuweisen. Von den übrigen können Sie Fotos machen.
- Reduzieren Sie den Zugang: Wenn Sie merken, dass Sie immer wieder Dinge anschaffen, die Sie nicht wirklich brauchen, können Sie versuchen, den Zugang zu reduzieren. Vermeiden Sie zum Beispiel gezielt Geschäfte oder Flohmärkte, die Sie in Versuchung bringen könnten.
- Kaufen Sie bewusst ein: Machen Sie sich Gedanken, ob Sie etwas wirklich brauchen und ob Sie dafür einen Platz haben. Stellen Sie sich vor, wo das Stück einen angemessenen Platz finden kann.